Von Hefeweizen bis Fruit Sour
„Ich mag kein Bier.“
Okay.
Aber welches?
Denn zu sagen, man möge kein Bier, ist ungefähr so, als würde man sagen: „Ich mag kein Brot.“ Vielleicht stimmt das. Vielleicht hattest du bisher aber auch einfach nur Sorten auf dem Teller, die nicht dein Ding waren.
Beim Bier ist es ähnlich.
Wer bisher hauptsächlich Pils probiert hat und mit dessen Bitterkeit nichts anfangen kann, kommt schnell zu dem Schluss: Bier schmeckt mir nicht. Dabei kann Bier fruchtig, säuerlich, malzig, würzig, cremig, rauchig, süßlich oder ausgesprochen herb schmecken.
Zwischen einem norddeutschen Pils und einer Berliner Weisse liegen geschmacklich kleine Welten. Deshalb hat Hopfenhenne fünf Bierstile zusammengestellt, die auch Menschen eine Chance geben sollten, die bisher überzeugt behaupten:
„Ich mag kein Bier.“
Challenge accepted.
1. Hefeweizen: für alle, die es fruchtig mögen
Beginnen wir mit einem deutschen Klassiker: dem Hefeweizen beziehungsweise Weißbier.
Falls dich an Bier vor allem die ausgeprägte Bitterkeit stört, könnte ein Hefeweizen einen Versuch wert sein. Der Hopfen hält sich geschmacklich meist eher zurück, während die verwendete Hefe für charakteristische Aromen sorgt.
Typische Noten erinnern an:
- Banane
- Gewürznelke
- reife Früchte
- manchmal etwas Vanille oder Kaugummi
Klingt nicht unbedingt nach dem, was man spontan unter „Biergeschmack“ versteht. Genau deshalb ist Hefeweizen ein guter Kandidat für Bier-Einsteiger.
Warum schmeckt Hefeweizen nach Banane?
Keine Sorge: In einem klassischen Hefeweizen schwimmen keine Bananen. Die fruchtigen Aromen entstehen während der Gärung. Bestimmte Hefestämme bilden dabei Aromastoffe, die unsere Nase beispielsweise mit Banane oder Gewürznelke verbindet.
Das macht Weizenbier aromatisch, ohne dass dafür Früchte zugesetzt werden müssen.
Probier Hefeweizen, wenn du: fruchtige und weiche Aromen magst und herbe Biere eher meidest.
2. Helles: für alle, denen Pils zu bitter ist
„Ich habe Bier probiert. War mir zu bitter.“
Diesen Satz höre ich ziemlich häufig. Und oft war das fragliche Bier ein Pils.
Dann lohnt sich der Griff zu einem Hellen.
Helles und Pils sehen sich auf den ersten Blick durchaus ähnlich: Beide sind meist goldgelb, klar und untergärig. Geschmacklich setzen sie allerdings unterschiedliche Schwerpunkte.
Während beim Pils der Hopfen und damit häufig auch eine deutlichere Bitterkeit im Vordergrund stehen, ist ein Helles typischerweise malzbetonter und milder. Es kann an frisches Brot, Getreide oder eine leichte malzige Süße erinnern.
Das Ergebnis ist ein Bier, das sich meist unkompliziert trinken lässt und nicht versucht, deine Geschmacksknospen mit Hopfenbittere zu beeindrucken.
Probier ein Helles, wenn du: grundsätzlich neugierig auf Bier bist, dir Pils aber zu herb oder bitter schmeckt.
3. Berliner Weisse: für Fans von Säure und Frische
Jetzt entfernen wir uns ein gutes Stück vom klassischen Biergeschmack.
Die Berliner Weisse ist ein traditioneller deutscher Bierstil, der sich durch eine deutliche Säure auszeichnet. Sie ist leicht, spritzig und besitzt typischerweise einen vergleichsweise niedrigen Alkoholgehalt.
Wer gerne trockenen Cider, Kombucha oder säuerliche Getränke mag, könnte hier plötzlich feststellen:
Moment. Das ist Bier?
Ja.
Historisch wurde Berliner Weisse auch mit Sirup getrunken. Besonders bekannt sind Waldmeister und Himbeere. Wer den eigentlichen Bierstil kennenlernen möchte, sollte allerdings zunächst eine gute Berliner Weisse pur probieren.
Die Kombination aus Säure, Kohlensäure und leichter Fruchtigkeit macht sie gerade im Sommer ziemlich erfrischend.
Probier Berliner Weisse, wenn du: säuerliche, spritzige Getränke oder Cider magst und mit klassischen Lagerbieren wenig anfangen kannst.
4. Frucht-Sour: für alle, die lieber Frucht als Hopfen im Glas haben
Jetzt wird es moderner.
Unter dem Begriff Sour Beer findet sich heute eine ziemlich große Bandbreite säuerlicher Biere. Besonders spannend für erklärte Nicht-Biertrinker sind Varianten, bei denen Früchte eingesetzt werden.
Zum Beispiel:
Himbeere, Kirsche, Pfirsich, Mango, Maracuja oder schwarze Johannisbeere.
Je nach Bier kann das Ergebnis trocken und elegant oder intensiv fruchtig und fast schon dessertartig ausfallen.
Gerade moderne Fruit Sours können geschmacklich so weit von einem klassischen Pils entfernt sein, dass sie viele Vorstellungen davon, „wie Bier schmeckt“, ziemlich schnell über den Haufen werfen.
Wichtig ist allerdings: Sour Beer ist eine riesige Kategorie.
Wenn dir ein Sour nicht schmeckt, bedeutet das ungefähr so viel wie ein enttäuschender Rotwein für die gesamte Weinwelt. Vielleicht war es einfach nicht der richtige.
Probier ein Fruit Sour, wenn du: Frucht, Säure, Cocktails oder Cider magst und möglichst weit weg vom klassischen Biergeschmack starten möchtest.
5. Stout: für Kaffee- und Schokoladenfans
Ein fast schwarzes Bier als Empfehlung für Menschen, die kein Bier mögen?
Durchaus.
Denn Farbe und Geschmack funktionieren beim Bier nicht so, wie viele erwarten. Ein dunkles Bier muss weder besonders bitter noch besonders alkoholstark sein.
Ein Stout kann Aromen mitbringen, die an gerösteten Kaffee, Kakao, dunkle Schokolade, Karamell oder geröstetes Brot erinnern. Besonders interessant wird das für Menschen, die mit fruchtigen Bierstilen wenig anfangen können, aber Kaffee, Espresso oder dunkle Schokolade lieben.
Ein Stout wirkt geschmacklich völlig anders als ein klassisches Pils und kann deshalb genau der Stil sein, bei dem ein überzeugter Bierverweigerer plötzlich neugierig wird.
Es gibt allerdings große Unterschiede: Manche Stouts sind trocken und röstig, andere kräftig, cremig oder deutlich süßer.
Für den Einstieg lohnt sich eher eine mildere Variante als das stärkste Imperial Stout, das das Regal hergibt.
Ich möchte schließlich überzeugen und niemanden bestrafen.
Probier ein Stout, wenn du: Kaffee, Kakao, dunkle Schokolade und Röstaromen magst.
„Ich mag kein Bier“ bedeutet oft: „Ich mag dieses Bier nicht“
Natürlich gibt es Menschen, die tatsächlich keinen Bierstil mögen. Vollkommen legitim.
Niemand muss sich Bier schöntrinken.
Aber bevor du Bier komplett abschreibst, lohnt sich eine Frage:
Was genau hat dir bisher daran nicht geschmeckt?
War es die Bitterkeit?
Dann probier ein Helles oder Hefeweizen.
War dir der Geschmack zu langweilig?
Versuch es mit einem Fruit Sour.
Magst du Säure?
Dann könnte eine Berliner Weisse interessant sein.
Liebst du Kaffee und dunkle Schokolade?
Gib einem Stout eine Chance.
Denn statt wahllos fünf weitere Biere zu probieren, die geschmacklich ziemlich ähnlich sind, ist es viel sinnvoller, herauszufinden, welche Aromen du grundsätzlich gerne magst.
Von dort aus lässt sich der passende Bierstil suchen.
Und wenn du bei allen fünf denkst: „Nein. Nein. Auch nein. Definitiv nein. Und nein.“?
Dann magst du vielleicht wirklich kein Bier. Auch eine Erkenntnis.
Mein Tipp: Probieren statt eine ganze Kiste kaufen
Wer herausfinden möchte, ob ihm Bier schmeckt, muss nicht gleich sechs Flaschen desselben Stils kaufen.
Viel spannender ist eine kleine Bierverkostung zu Hause.
Besorg dir vier oder fünf möglichst unterschiedliche Bierstile und probiere jeweils eine kleine Menge. Idealerweise verkostest du gemeinsam mit anderen. Dann können die Flaschen geteilt werden und ihr könnt vergleichen, wie unterschiedlich ihr dieselben Aromen wahrnehmt.
Achte beim Probieren nicht nur auf die Frage „schmeckt oder schmeckt nicht“, sondern auf drei Dinge:
Was rieche ich? Was schmecke ich? Was gefällt mir daran – oder eben nicht?
Damit kommst du deinem persönlichen Biergeschmack ziemlich schnell auf die Spur.
Und vielleicht wird aus:
„Ich mag kein Bier“ irgendwann: „Ich mag kein Pils. Aber hast du noch von diesem Sour?“
Damit können wir arbeiten.